Sichere Lust – Verhüten deine Figuren?

Beim #frivolerfragefreitag, eine Autorenchallenge auf Instagram, initiiert von mir, um mehr Sichtbarkeit für erotische Literatur zu schaffen, diskutieren wir verschiedenen Aspekte des erotischen Schreibens, somit auch die Frage nach der Verhütung. Tragen wir eine besondere Verantwortung, zu zeigen, wie selbstverständlich es ist, sich zu schützen? Greift einer der Beteiligten, egal ob Geliebter, Bekannte oder Fremder innerhalb der Szene nach einem Kondom oder spricht das Thema zumindest an?

Wie sehen das die Lesenden? Stört es die leidenschaftliche Atmosphäre oder den Leseflow, wenn einer noch rasch in die Tasche greift, ein Kondompäckchen hervorholt und sich verantwortungsvoll darum kümmert?

Bewusster Einsatz als Mittel der Figurenzeichnung

Es kann eine Mittel sein, um Figuren zu kennzeichnen, indem wir sie über Verhütung sprechen lassen, in dem wir zeigen wie verantwortlich oder unverantwortlich sie handeln. Da es meist noch Frauensache ist, für die Verhütung die Verantwortung zu tragen, können wir zeigen, welche Zeit, welchen Stress Frauen bei der Verhütung empfinden. Wir können die Frau stark zeigen, wenn sie auf ein Kondom besteht oder den Mann als Egoist, wenn er es nicht benutzen will.

Möglichkeiten gibt es also viele Verhütung literarisch geschickt zu nutzen oder es beiläufig mit einzubauen. Wenn es vergessen wird, herunterrutscht oder erst gar nicht angeboten wird, bietet wiederum Stoff, um Ängste zu schüren oder Konflikte entstehen zu lassen.

Beim berühmten »ersten Mal« ist es unerlässlich, es zu thematisieren – denn da wird es immer ein Thema sein.

In meiner Literatur

Ich schreibe zeitgenössische Literatur mit Frauen, die sich suchen und finden. Ich lasse das Kondom mit der größten Selbstverständlichkeit auftauchen – egal in welchem Hormontaumel sich die Protas befinden. Es gehört einfach dazu.

In einer Szene aus Perle um Perle macht sich eine junge Frau darüber Gedanken: „… wenn er kein Kondom benutzt, wenn, wenn und wenn. So viele Fragen habe ich im Kopf«, sagte sie leise. Der notwendigen Herausforderung, wie das Kondom über den Penis käme, hatte sie sich in der Fantasie nicht gestellt und im wahren Leben sowieso nicht. Ihre Mutter war ganz versessen darauf gewesen, den Vorgang mit ihr an einer Salatgurke zu üben. Davon hatte sie Katja erzählt, die lachte sich halb kaputt, ihre Mutter hatte es ihr an einer dicken Karotte gezeigt. Aber in der Praxis sei das viel schwieriger, vor allem mit langen Fingernägeln.
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In „Theater der Lust“ kommt es in MUT in einem Hotelzimmer zum Einsatz: „Mich weiter liebkosend, greift er nach dem Kondom auf dem Nachttisch, reißt die Packung mit den Zähnen auf und …“
In RAUSCH beim Besuch in einem Club: In einem Regal liegen Handtücher und Kondome.
An einer anderen Stelle heißt es: Auch wenn er ein Kondom benutzt, ist sein Samen ein weiteres Geschenk an mich.
In MAGIE steht Ralf, einer Hauptprotagonisten – mit einer Kerze in der einen und einem Kondom in der anderen Hand neben dem Bett von Viktoria.
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Die Beiträge der KollegInnen zeigen eine Bandbreite an Vorgehensweisen

Einige der Mitdiskutierenden waren auf meine Wellenlänge. d.s.richmond_autorin ist es wichtig, den Sex ohne Kondom nicht zu romantisieren oder zu verklären: Sex sei nicht zwingend besserer Sex, nur weil kein Gummi dazwischen sei.

Mara Hartes Figuren nutzen Kondome. Es störe den Ablauf nicht oder gestalte ihn unerotisch, denn das sie beim »echten« Liebesspiel auch nicht so. Bei ihr ist es ein ganz normaler Dialog: »Hast du was dabei?«, »Ja!«, »Nein!«, »Willst du einen Tee?«.

felicitydor.books schreibt historische Romane und weiß: »Gerade im Regency (kurze Epoche in der Geschichte des Vereinigten Königreiches Großbritannien) gab es alle möglichen Sitten und Unsitten, Geschlechtskrankheiten und Nachwuchs zu vermeiden. Die Syphilis war genauso real wie AIDS heute. Natürlich waren die Methoden alles andere als verlässlich, aber es gab auch schon Kondome, zumindest so was in der Art. « In ihrem Roman „Ein Herzogtum für die Liebe“ nutzen die Protas Tütchen, die mit einem Band befestigt wurden.


autorlaurentnoir meint, er gehöre zur Generation, die in der Jugend mit AIDS konfrontiert wurde. Entsprechende Werbekampagnen „RITA, Was kosten die Kondome?“ sollte da einen unbeschwerten Umgang mit schaffen und das der Umgang mit Kondomen auch Stoff für Pointen böte. Allerdings habe er Verhütung in seinen Werken bisher ignoriert.

cate_edge findet es schwierig, immer ein Kondom in expliziten Dark Romance-Szenen unterzukriegen. Daher benutze sie ein Vorwort, um dennoch auf die Wichtigkeit im echten Leben aufmerksam zu machen.

Andere AutorInnen, meinten ihre Geschichten seine Wohlfühlgeschichten ohne Geschlechtskrankheiten und ungewollten Schwangerschaften. Auch das Argument, man schreibe keine Ratgeber wurde angeführt, ebenso wie das Argument, der Leser sei schließlich erwachsen und wisse was er wann zu tun habe.

Schön war, dass es Leserinnenstimmen gab: Nora aus noras_leseecke positionierte sich eindeutig: »Oh, also Kondome finde ich sehr wichtig. Egal wie heiß es hergeht, aber Safer Sex muss sein.« Wenn eine Autorin, ein Autor sich dem verweigert, dann hört sie auf die Autorin zu lesen.

Eine andere Leserin meinte, dass es ihr egal sei, ob Kondome verwendet werden oder nicht… Klar versteht sie den Ansatz, Savety First und so, aber sie würde auch nichts nachmachen, was in Horrorbüchern oder Thrillern beschrieben wird.

christiane_liest_zuviel irritiert es, wenn Verhütung bereits im Vorwort ausgeklammert wird – ihr Lesefluss ist gestört, wenn das Kondom fehlt. Sollte doch ganz normal sein, wenn man sich nicht kennt. 

Ich fand den Austausch über das Thema äußerst spannend. Außerdem erfuhr ich dabei noch etwas über Vampire: Vampire können nicht auf diese Art Kinder zeugen und müssen sich nicht vor Krankheiten schützen, weil sie eh nicht krank werden.


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