Ein Storytelling Experiment auf social media Teil 2

Ausgangslage

Beim Storytelling werden Informationen in eine Geschichte eingebettet, damit sie emotional vermittelt werden und somit besser im Gedächtnis bleiben.
Meine Topinformation ist die Neuerscheinung von »Rausch«.
Dafür dachte ich mir die Geschichte »Alles andere als brav « aus. Protagonisten sind Frieder und Carolin, die erst »Mut« fassen und dann in den »Rausch« geraten.
Es hat mir großen Spaß gemacht, die Geschichte über ein Paar zu schreiben, das versucht, mit einem erotischen Adventskalender ihr Liebesleben wieder in Schwung zu bringen.
Am Ende hatte ich darin die Neuerscheinung »Rausch« (Band 2 der Trilogie »Theater der Lust«) präsentiert. Darüberhinaus erwähnte ich »Mut«, den 1. Band aus der Trilogie, und »Die Nacht der Masken«. Und ich ließ die Protagonisten daraus zitieren.
Ich schrieb den Text tagesaktuell für Instagram, facebook und meinen Blog.

Herausforderungen

Durch die drei Social Media Kanäle hatte ich unterschiedliche Textmengen zu beachten. 2.200 Zeichen inklusive hashtags für Instagram. Für meinen Blog bin ich in der Wahl der Zeichen frei, wollte jedoch auf die nötige Zeichenanzahl von 1800 kommen, die für eine VG-Wort Zählmarke nötig sind. Bei facebook stellte ich Minimum 600 Zeichen ein und verlinkte dann den Blog-Beitrag.

Instagram ist eine Foto-Sharing-App und somit eigentlich nicht zum Erzählen von Geschichten in Worten gemacht. Es ist ein visuelles Medium – vergleichbar mit einem Magazin. Somit hatte ich mit verschiedenen Herausforderungen umzugehen.

Man weiß nicht, wann ein Leser in die Geschichte einsteigt. Also kann man auch nicht darauf setzen, dass man ihn mit dem Einstieg in die Geschichte gewonnen hat oder dass er den roten Faden versteht. Man kann nicht wissen, ob jemand, der sich nach ein paar Tagen für einen Post interessiert, zurückscrollt, um die vorigen Kapitel zu lesen, auch wenn man sich das wünscht. Es ist schwer, die Erzähltechniken wie Konflikt und Widerstand zu nutzen. Außerdem wissen wir alle – es ist nicht einfach, kurz und prägnant zu schreiben.

Fotos sorgen für Aufmerksamkeit

Den Aufwand für die Bilder hatte ich unterschätzt. Ich bin keine Fotografin und habe keinen Fotofundus. So fotografierte ich parallel zum Schreiben. Dabei wollte ich erreichen, dass der User von Instagram, der mit dem Daumen durch die Fülle von Fotos scrollt, die jeden Tag neu eingestellt werden, bei meinem Foto stoppt und liest. Und dass er erkennt, dass genau dieses Foto nun zu meiner Geschichte gehört. Dazu wählte ich einen einheitlichen Look – ein Vierer-Bild-Raster, die Farbe Weinrot und die goldene Schrift plus blauen Kugeln, die durchnummeriert waren.

Da auf allen Social Media Kanälen die Reichweite sinkt, wenn man zu viele Begriffe verwendet, die sexuell aufgeladen sind, zeigte ich einiges auf dem Foto, das ich im Text nicht explizit erwähnte.

Erfolg in Zahlen

Es gab für die Beiträge auf Instagram Minimum 14 und maximal 99 likes, was mir das Gefühl vermittelte, nicht in einen leeren Raum hineinzurufen. Die Reichweite lag zwischen 168 – 963, was an meinen ausgesuchten hastags lag, die ich je nach Foto variierte. Ich erzielte über 90 Profilaufrufe und 5 Website-Klicks. Ich gewann über 20 neue Follower, von denen ich nur 14 behalten habe. Denn ich blockiere diejenigen, die mir Anmach-Nachrichten senden.

Die Interaktionen in Form von Kommentaren waren gering. Vermutlich ist Erotik für viele zu privat. Es bedarf schon eines gewissen Trainings darüber zu schreiben und sich öffentlich zu äußern. Der Hashtag #alllesandereals brav wurde nicht genutzt, um eigene Beiträge darunter zu sammeln.

Ich habe die Geschichte auch auf facebook geteilt und dort +18 „gefällt mir Angaben“, +16 weitere Abonnenten erzielt. Die Reichweite lag zwischen Minimum 70 und Maximum 224.

Die Stunden, die in das Experiment geflossen sind, waren inklusive Auswertung beachtliche 90 an der Zahl. Ob ein Buch mehr verkauft wird, lässt sich nicht eins zu eins messen. Doch ohne Sichtbarkeit in den sozialen Medien geht für AutorInnen ohne einen großen Verlag im Hintergrund gar nichts.

Zahlen allein sind nicht ausschlaggebend. Es geht auch um den Lerneffekt für mich und den Versuch, den kreativen Raum von den Sozialen Medien zu nutzen.

Und ich habe nun auch eine gute Struktur für eine Geschichte, die ausbaufähig ist. Wer weiß, wie sie sich noch entwickelt.

Erfolg gemessen an Zielen

  • meine Follower unterhalten                                                                     ✓
  • Mehrwert schaffen                                                                                      ✓
  • regelmäßigen Content posten                                                                 ✓
  • Inhalt mit meinen Büchern und mir als Autorin verbinden          ✓
  • jahreszeitliche Bezüge schaffen                                                              ✓
  • Beiträge für den jeweiligen Kanal in unterschiedlicher Länge     ✓
  • sinnvolles hashtag Set erstellen                                                              ✓
  • Teaser-Video – weiteres Video                                                               ✓
  • neue Follower gewinnen                                                                           ✓          
  • meine facebook-Seite bekannter machen                                         ✓
  • auf meine Bücher aufmerksam machen                                              ✓
  • auf eine Neuerscheinung hinweisen                                                    ✓

Nicht gelungen:

  • Uhrzeit beachten, meine Zielgruppe ist zwischen 18.00 und 20.00 Uhr online
  • Interaktionen:
    Kommentare wenige
    hashtag #allesanderealsbrav wurde nicht aufgegriffen

2 Gedanken zu „Ein Storytelling Experiment auf social media Teil 2

  1. Lotta Frei Antworten

    Liebe Ines, wow, Dein Beitrag liest sich so spannend wie ein Krimi. Da ich sehr aktiv auf Instagram bin und mit dem Community Effekt dort gute Erfahrungen mache, sind deine Erfahrungen sehr interessant und wertvoll für mich. Bisher nutze ich das Instrument Storytelling noch zu wenig, werde aber dieses Jahr meine Content Planung etwas strukturierter und weniger spontan angehen – da bietet es sich eigentlich an, das mal auszuprobieren, oder?

    Liebe Grüße,
    Deine Lotta

  2. Gabi Helbig Antworten

    Ich habe viele, fast alle denke ich, deiner Adventsbeiträge gelesen. Fast alle haben mir gefallen. Das ist ein großes Lob, weil ich mit erotischer Literatur nicht viel anfangen kann. Ich lese sie eigentlich nur dann, wenn ich selbst eine erotische Szene schreiben will oder im Auftrag muss.
    Deine Erfahrungen mit den verschiedenen sozialen Netzwerken ist spannend. Ich mache meine Instagram Schreibimpulse aus Vergnügen, weil ich zur Zeit keine Bücher verkaufen will und meine Kunden ganz altmodisch zu mir kommen. (Ghostwriting)
    Ich wünsche dir viel Erfolg!

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