Alles andere als brav – Kalendertür 19

Als Frieder hinter der Kalendertür 19 das Buch »Theater der Lust – Rausch« fand, fragte er mit gespielter Strenge: »Ist dies nicht ein untypischer Weihnachtsroman?«

»Ich gestehe! Die Reihe hat es mir angetan. Sie ist intelligent, sexy und provokant. Und – vieles davon möchte ich selbst erleben.«

Beide dachten an das berauschende Erlebnis bei Tür 5.  Das erste Experiment von Viktoria, der Titelheldin der Reihe, das sie nachinszeniert hatten.

Mit belegter Stimme sagte Frieder: »Ich freue mich schon auf die erste Lesung daraus.« Dann gab er Carolin zum Abschied einen Kuss, den sie als Versprechen las.

Carolin entschied, Frieder das Kapitel ›Ceciles Kleid‹ vorzulesen – das verstand man, auch ohne die Vorigen gelesen zu haben, und es war etwas, was Carolin sehr erregte.

»Der Stoff schimmert metallisch-grün wie die Flügel des Rosenkäfers. Je nach Lichteinfall wechselt es die Farbe hin zu Bronze. Die Knöpfe glänzen wie polierter Onyx. Schwarze, hochhackige Schuhe stehen dabei.

Ohne Hast ziehe ich mein Kleid aus. Langsam gehe ich auf die Ankleidepuppe zu, berühre zart die Knöpfe, streichele über den Stoff.  

»Zuerst die Wäsche«, weist mich François an.

»Natürlich«, sage ich überrascht, bin aber gern bereit mich auszuziehen. Als ich nackt bin, reicht er mir einen mit feiner Spitze und floraler Stickerei versehenen Strumpfhalter. Ich bedanke mich und lächle selbstsicher. Als er mir den ersten seidigen Strumpf hinhält, bin ich zwischenzeitlich so aufgeregt, dass mir der Befestigungsclip mehrmals davon rutscht, bis der Strumpf am Halter sitzt.

François greift als Nächstes zu einem Unterbrustkorsett. »Ich helfe dir beim Anziehen.«

Ich drehe ihm den Rücken zu und er legt das Korsett um meine Taille. Während er abwechselnd von oben und unten Haken schließt, streifen seine Finger meine Haut. Es ist das erste Mal, dass er mich berührt, ohne seine Handschuhe zu tragen. Obwohl der Kontakt nur an winzigen Stellen zustande kommt, breitet sich ein Kribbeln auf der Hautoberfläche aus. Nun schnürt er mit Hilfe von Schlaufen die Taille enger und enger, bis der letzte Haken geschlossen ist. Die Schlaufen verknotet er sorgsam. Im Spiegel verfolge ich, wie sich mein Körper zu einer ausgesprochen weiblichen Silhouette formt. Ich steige von oben in das Kleid, schließe die Knöpfe und schlüpfe in die hohen Schuhe.

»Einfach wundervoll.« Francois’ Gesichtszüge sind weich und sein Lächeln sexy.

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