Pleiten, Pech und Pannen im Bett

Her mit Pleiten, Pech und Pannen! Wer meinen Schreibratgeber “Dirty Writing – Vom Schreiben schamloser Texte” kennt, weiß, dass ich diese als Chance für interessante Szenen sehe. Ich fordere auf, genau darüber zu schreiben. Eine literarische S6-Szene ist keine Anleitung für den besten Sex, sondern für vieles andere. Wenn Menschen intim werden passieren unvorhergesehene Dinge – und dafür interessiere ich mich. Wie werden sie gelöst? Die Menschen sind in dieser Situation offen und verletzlich. Was geschieht mit ihnen, wenn etwas gegen ihre Erwartungen passiert? Können sie damit umgehen? Hat das Folgen? Welche? Das ist spannend!

Ich rolle eher mit den Augen, wenn alles toll ist und gut klappt. Das langweilt mich. Gerade wenn ich für eine jüngere Zielgruppe schreibe, darf nicht alles flutschen.

Bei erfahrenen Paaren kann ich davon ausgehen, dass sie erst recht wissen, dass es selten magisch ist. Und doch wollen sie es so gerne, wie bekommen sie das hin? Wie oft scheitern sie?


Natürlich darf ich auch über die wundervollen Momente schreiben. Doch dies sollte aus der Geschichte heraus motiviert sein. Sind sie die Belohnung für einen langen konfliktreichen Weg? Ist es der Grund, warum sich die Heldin an einen bestimmten Mann bindet, der ihr ansonsten schadet?

In meinen Büchern gibt es viele Momente des Scheiterns – der Plug, der nicht richtig sitzt, der Schlag der nur schmerzt. Der Besuch einer erotischen Party, auf der sich die Protagonistin unwohl fühlt. Das erot:sches Dinner, bei dem Austern wie Nacktschnecken im Hals stecken bleiben …

Zur Verdeutlichung eine Szene aus „Perle um Perle“ meinem ersten Roman:

Kai küsste gut, seine Zähne bohrten sich weder in ihre Lippen noch war seine Nase im Weg. Er nahm sie bei der Hand und führte sie zu einem Sessel, in den er sich halb sitzend, halb liegend hineinfallen ließ. Auffordernd klopfte er auf seine Oberschenkel. Sie zögerte kurz, setzte sich dann zu ihm auf die Lehne. Während er mit ihren Haaren spielte, legte er seine Hand auf ihre Brust. Ihr Mund wurde trocken, ihre Hände umklammerten die Lehne. Sie starrte auf seinen Zeigefinger, der sanft um ihre Knospe kreiste. Als diese sich aufstellte, lächelte er. Seine andere Hand schob er langsam unter ihren Rock. Obwohl sie ihn mochte, seine hellen Stoppelhaare, seine unkomplizierte Art, versteifte sie sich und stieß die Hand weg: »Das geht so nicht.«

»Warum nicht? Du bist doch genauso scharf wie ich.« Seine Hand glitt schnell ihren Oberschenkel hinauf, stoppte vor ihrem Slip. Nervös presste sie die Knie aneinander: »Ich weiß nicht.«

Er vergrub den Kopf zwischen ihrem Hals und der Schulter. Sie rührte sich immer noch nicht, das hatte so wenig gemein mit ihrem Traum vom ersten Mal. Plötzlich war sie stocknüchtern: »Nein, ich will das nicht hier.«

Sofort tauchte sein Kopf wieder auf: »Dann gehen wir woanders hin, kein Problem.« Er schob sie von sich herunter und stand auf. »Es wird sich schon ein ruhiger Platz finden bei dir oder zu mir?«

Hand in Hand verließen sie das Zimmer. An der Garderobe bat Kai sie, einen Moment zu warten: »Ich sage noch meinem Freund Timmi Bescheid, bin gleich zurück.«

Sie ließ sich ihren Mantel geben und drückte auf den Knopf des Aufzuges: »Ist er zurück, bevor der Aufzug kommt, gehe ich mit zu ihm.« Der Aufzug kam, sie stieg allein ein.

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Wie seht ihr das? Lieber die magischen supertollen Szenen oder lieber die mit Pannen, Pech und Pleiten?

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Instagram Challenge unter dem Hashtag frivolerfragefreitag entstanden. Initiiert ist er von Margaux Navara und mir, um allen, die was mit Erotik machen, einen Wochentag für mehr Sichtbarkeit zu geben.


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