Alles andere als brav – Kalendertür 23

Am 23. Dezember war das Päckchen, das Carolin mit der Zahl 23 versehen hatte, gegen ein anderes ausgetauscht worden. Frieder lächelte glücklich als sie das Geschenkpapier entfernte und »Die Nacht der Masken« von Ines Witka zum Vorschein kam.
»Nachdem du so begeistert von der Autorin warst, habe ich mal recherchiert, was sie noch so geschrieben hat.«

Carolin drehte das Buch um und las den Klappentext: » »Eine Nacht der Masken ist genau das, was sich viele aufgeschlossene Paare insgeheim wünschen, aber sich nie zu formulieren oder gar in die Tat umzusetzen getrauen.« Davon ist Claudius, der seit Jahren auf dieser exklusiven Erotikparty als stiller Beobachter Klavier spielt, überzeugt. Die Gesichter hinter Masken verborgen, fühlen sich die Gäste frei, gesellschaftliche Konventionen außer Acht zu lassen und Tabus zu brechen. Sie treffen sich in den märchenhaften Gemäuern eines historischen Schlosses zum Feiern – und für ein lustvolles Abenteuer. Die Autorin Ines Witka hat eine dieser Partys hautnah erlebt und sich mit den Besuchern ebenso offen wie sensibel über deren gelebten erotischen Phantasien unterhalten.

Carolin schlug die erste Seite auf. Zwischen Buchdeckel und Seite lagen Karten für genau diese Party. »An diesem Termin ist doch der Berlin Marathonlauf, für den du seit Wochen trainierst.«
Er nahm Carolin in den Arm und drückte sie fest an sich. »Du bist mir wichtiger als jeder Marathon. Und ich kann ja Paris laufen oder München … «

Ihre Augen flogen über die Zeilen und ihre Augen wurden immer größer. »Wenn es da so zu geht, dann wird das mega spannend. Hör mal …«

Sie las Frieder laut vor: »Darf ich Sie lieben?«, flüstert er mir ins Ohr: Neugierig wende ich mich ihm zu, haselnussbraune Augen blicken mich freundlich an: »Ich versuche bei jeder Nacht der Masken dabei zu sein, egal wo ich mich gerade aufhalte. Diesmal bin ich aus New York hergeflogen. Nur in Deutschland kann man so frei lieben. Die Amerikaner sind zu prüde für so ein amouröses Vergnügen, die Engländer trinken viel zu viel, und in Asien gibt es nichts Vergleichbares.«
Dabei streichelt er
mit seiner Hand meinen Arm hinauf, und ich vermeide es, ihm in die Augen zu sehen, während er mit dem Finger die Linie meines Halses nachfährt. Ich weiß nicht, wohin das führen soll, und hoffe, dass Thomas gleich wieder auftauchen wird.
Stattdessen steht eine schlanke Frau vor mir, ich habe sie mit dem Goldmaskierten beim Essen gesehen. Lächelnd blickt sie zu mir herunter und legt mir ihre kostbare Stola wie einen Schleier über das Gesicht.
Der Mann mit der Goldmaske streift mir den Mantel von den Schultern. Sie setzt sich auf meine andere Seite, nimmt meine Hand und führt sie zu ihren Lippen. Der Schleier, so zart und leicht, fast gewichtslos, hebt und senkt sich vom heißen Atem. Ich halte still, spüre ihren beschleunigten Herzschlag im Gleichklang mit meinem.
»Deine Korsage sitzt viel zu locker. Darf ich sie dir enger schnüren?« Wortlos drehe ich ihr den Rücken zu. Sie löst erst die Bänder, um sie dann doppelt so fest zuzuziehen. Ich bekomme kaum noch Luft, auch weil der Fremde seine Hand auf meinen nun ansprechend präsentierten Busen legt.«

Carolin klappte das Buch zu und küsste Frieder leidenschaftlich.

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